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Man muss langsam machen können


In der Kinder-Zeichentrickserie „Yakari“ gibt es eine interessante Geschichte namens „Man muss warten können“. Die Indianerjungen Yakari und Kleiner Dachs werden losgeschickt, um Tonerde zu finden. Als erwachsene Begleitung bekommen sie Müder Krieger an ihre Seite. Vor allem Kleiner Dachs ist genervt, denn Müder Krieger macht seinem Namen alle Ehre: Er gilt als langsam und verschlafen. Kleiner Dachs ist viel zu ungeduldig. Die Jungen lernen im Verlauf der Geschichte, dass langsam manchmal gut ist – sie finden die Tonerde nur, weil Müder Krieger fähig ist zu warten, bis er den richtigen Hinweis auf die Fundstelle hat. Mir hat diese Serienfolge gut gefallen, weil sie zeigt, dass jeder zu etwas gut ist, selbst der Langsamste.

Warum ich das erzähle? Nun, ich musste eine Leinendecke bügeln. Nach dem Waschen hatte ich sie zum Trocknen aufgehängt. Sie war noch feucht, als  ich zu bügeln begann. Ich hatte es eilig und fegte mit dem Bügeleisen fix über die Decke. Nichts passierte. Die scharfen Knickfalten im Leinen verschwanden nicht. Mehrmals glitt ich über dieselben Stellen, das Bild veränderte sich keinesfalls. Ich erinnerte mich, dass diese Decke mich schon einmal zur Verzweiflung gebracht hatte. „Eine Mangel wäre jetzt nicht schlecht“, dachte ich. Doch so etwas gibt es heutzutage kaum noch – schon gar nicht in meinem Umfeld.

In meiner Verzweiflung folgte ich einer Eingebung und führte das Bügeleisen im Schneckentempo über den Stoff. Ganz langsam. Und siehe da: Die Falten wurden deutlich platter. „Sollte ich so etwa das ganze Tuch glätten?“, hinterfragte ich meine Technik. Ich musste wohl, wollte ich eine ansehnliche Decke haben. Während ich so langsam vor mich hinbügelte und in Sorge war, dass mir die Zeit davonlief, kamen mir der Müde Krieger und diese Serienfolge in den Sinn. Man muss eben manchmal auch langsam machen können ...