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Notprogramm: Das Hier und Jetzt


Gerade kreuzen sich meine Wege mit mehreren Menschen, die in einer tiefen Krise stecken. Die Beziehung ist kaputt oder steckt in einer Sackgasse. Die finanzielle Situation ist so angespannt, dass nötige Sonder-Ausgaben die Existenz gefährden. Die Kinder machen Schwierigkeiten. Probleme von außen bedrohen den inneren Frieden. Und für eine berufliche Neuorientierung ist in diesem Chaos keine Kraft. Der Wunsch nach dem rettenden Strohhalm steht diesen Menschen in den Augen.

Im Gespräch mit einer Bekannten, die in einer solchen Misere steckt, ist mir etwas Interessantes aufgefallen. Ich fragte sie, ob sie Ende April schon etwas vorhabe. Mir war klar, dass ich damit ganz schön weit vorgreife, und ich grinste deshalb etwas verlegen, als ich ihr die Frage stellte. Sie lachte und schaute mich an: „Ich lebe nur noch im Hier und Jetzt!“, antwortete sie mir. „Mehr ist zurzeit nicht möglich!“

Da wurde mir bewusst, dass das menschliche Notprogramm – einen Tag nach dem anderen einfach nur zu (über-)leben – dem Prinzip der Achtsamkeit sehr ähnlich ist. Natürlich sind die Ausgangspunkte sehr verschieden, genauso wie das emotionale Erleben. Die Chaos-Reduktion ist nicht freiwillig gewählt. Doch sie zeigt, wie dankbar unser Körper und unsere Seele darüber sind, wenn wir uns dem Gegenwärtigen widmen und uns auf das Wesentliche reduzieren.

In diesem Bewusstsein zu leben, bevor das große Chaos ausbricht, spendet Ruhe und Kraft und verhindert möglicherweise, dass es überhaupt jemals soweit kommt. Von Buddha stammt diese Erkenntnis: Unsere Verabredung mit dem Leben findet im gegenwärtigen Augenblick statt und der Treffpunkt ist genau da, wo wir uns gerade befinden.