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Sitzenbleiben ist so schlecht wie sein Ruf


Zurzeit arbeite ich Vollzeit außer Haus – im Sitzen. Ich fahre morgens mit dem Auto zu meinem Auftraggeber, hocke dort sieben bis acht Stunden vor dem Bildschirm, komme nach Hause, nehme am Esstisch Platz, um dann am Abend vor diesem Computer zu sitzen und meinen Blog zu befüllen. Während ich das tue, sehne ich mich nach einem Vollbad oder nach meiner Couch. Eins von beiden wird’s wohl werden ...

Wenn ich es recht betrachte, sitze ich den ganzen Tag, fast ohne Unterlass. Okay, das mache ich nicht täglich, es ist momentan ein Ausnahmezustand. Doch insgesamt komme ich doch auf eine stattliche Summe an Sitz-Stunden. Damit liege ich voll im „Trend“: Denn Deutschland bleibt sitzen, wie die Deutsche Sporthochschule Köln jüngst verkündete. Das dortige Zentrum für Gesundheit durch Bewegung und Sport hat gemeinsam mit der Privatversicherung DKV den Report „Wie gesund lebt Deutschland?“ herausgegeben. Diesmal untersuchten die Experten zum ersten Mal differenziert das Sitzen als eigenständigen gesundheitlichen Risikofaktor.

Für den DKV-Report „Wie gesund lebt Deutschland?“ 2015 befragte das Marktforschungsinstitut GfK mehr als 3.000 Menschen in Deutschland intensiv zu ihrem Gesundheitsverhalten. Die Befragten berichteten am Telefon umfangreich über ihren Alltag: wie viel sie sich bewegen, was sie essen, wie gestresst sie sind und wie sie mit Alkohol und Zigaretten umgehen. Und, das ist neu in diesem Jahr: bei welchen Gelegenheiten und wie lange sie sitzen. ??Nie hatten es die Menschen so bequem wie heute: Wir sitzen beim Arbeiten, vor dem Fernseher, im Auto und während wir online einkaufen.

Zahlen des Reports zeigen, dass die Deutschen im Mittel 7,5 (!) Stunden pro Tag sitzen, die jungen Erwachsenen sogar 9 Stunden. „Wir sind ein Volk der Sitzenbleiber geworden. Das dauerhafte Sitzen hat weitreichende Folgen für den Fett- und Blutzuckerstoffwechsel und macht die Menschen krank“, warnt Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV. ??Dauersitzen ist neben allgemeinem Bewegungsmangel heute als ein eigenständiger Risikofaktor für die Gesundheit anerkannt.

„Im Bundesdurchschnitt sitzen die Menschen am längsten vor dem Fernseher“, stellt Hochschul-Professor Ingo Froböse fest, wissenschaftlicher Leiter des Reports. Statistisch gesehen erhöht jede tägliche zusätzliche Fernsehstunde auf dem Sofa die Sterblichkeit um 11%. Der zweithäufigste Grund fürs Sitzen ist im Bundesdurchschnitt die Arbeit am Schreibtisch.

Tja, was ich künftig zum Ausgleich für das viele Sitzen mache, werde ich mir gleich im Anschluss überlegen – wenn ich mich auf der Couch lümmelnd von dem anstrengenden Arbeitstag erhole ...