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"Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?"


Wie ist das eigentlich, wenn wir eine Meinung vertreten: Dürfen wir diese ändern? Gerade in der Partnerschaft oder in der Familie generell entzünden sich um dieses Thema die schärfsten Konflikte. Jedenfalls habe ich das schon erlebt. Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, ihre Meinung ändern zu dürfen. „Vor zwei Monaten hast du doch noch anders darüber gedacht!?“ „Na und? Ich darf heute anderer Meinung sein!“

Ich bin damit übrigens in bester Gesellschaft, wie ich erfahren habe – die Meinung lässt sich auch ohne besondere Gründe schnell und einfach ändern! Das zeigten schwedische Psychologen in einem Test: Sie ließen 160 Probanden Stellung nehmen zu Aussagen über strittige Themen wie Prostitution oder den Israel-Palästina-Konflikt. Dann tauschten sie einige Aussagen gegen andere, teilweise gegensätzliche aus. Wie die „Apotheken Umschau“ berichtet, bemerkten 53 Prozent der Teilnehmer den Tausch nicht, als ihnen der Fragebogen wieder vorgelegt wurde, und verteidigten ihre „neue“ Haltung oft sogar heftig.

Na, so was! Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Um es mit Konrad Adenauers Worten zu sagen: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“

Allerdings muss ich auch zugeben, dass Menschen, die ihre Meinung ständig ändern und dann vehement verteidigen, schwer zu nehmen sind. Vor allem, wenn man sich bestens daran erinnert, welcher Ansicht sie vor dem Meinungswechsel waren ... Manchmal ist ganz einfach alles nur menschlich. So ist es wohl unsere Aufgabe, mit dem „Geschwätz“ umzugehen, das gegenwärtig ist – egal, ob’s neu ist oder alt.

Dass ich also keine Klagen hör', wenn ich hier Dinge schreibe, die ich vor einigen Monaten noch ganz anders gesehen habe ...! Ein Glück bin ich nicht in der Politik!