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Was tun, wenn's (uns) aufregt?


Es gibt diesen netten Spruch, dass man erst einmal eine Weile in den Mokassins eines anderen Menschen laufen soll, bevor man über ihn urteilt. Lachender Fuchs, ein Sioux-Häuptling, soll ihn geprägt haben. Ich finde ihn klasse. Denn jeder handelt aus zutiefst menschlichen Bedürfnissen heraus, die für das persönliche Wohlergehen unverzichtbar sind. Manchmal können wir das kaum erkennen, z. B. wenn (uns) jemand etwas tut, womit wir nicht gut klar kommen.

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg leert uns, hinter die Handlungen eines Menschen zu schauen: Was macht er? Wie fühlt er sich dabei? Welches Bedürfnis in ihm ist gerade erfüllt oder nicht? Wer sich auf dieser Ebene mit anderen austauscht, erfährt oft eine tiefe Verbindung zueinander. Es ist wirklich wie ein Wechsel in andere Mokassins, und wenn es nur für eine denkwürdige Minute ist. Man erkennt sich hinter dem, was vordergründig passiert. Ich habe damit schon viele schöne Erfahrungen machen können.

Deshalb hat mich ein Bild mit einer Geschichte berührt, das das Süddeutsche Zeitung Magazin auf Facebook geteilt hat. Abgebildet ist eine Restaurant-Rechnung über 66,65 Dollar. Handschriftlich wurden darauf 100 Dollar Trinkgeld eingetragen! Der Grund: Getränke und Essen kamen viel zu spät! Eine Stunde lang musste das Paar warten, bis es richtig losging. Derweil lief die Bedienung wie verrückt von Tisch zu Tisch und entschuldigte sich für den schlechten Service. 12 Tische plus Bar hatte er zeitweise alleine zu versorgen. Das war unmöglich! Es mangelte in diesem Laden nicht an einem guten Kellner, wohl aber an genügend Mitarbeitern. Das hatten die Schultzes schnell erkannt. Deshalb gaben sie ihm 100 Dollar Trinkgeld und posteten ihr Erlebnis bei Facebook, um ihre Freunde freundlich daran zu erinnern: Urteilt nicht zu schnell, schaut euch erst mal die Situation an.

Auf den Abrechnungsbeleg des Restaurants schrieben sie mit Kugelschreiber: „Wir sind beide in Ihren Schuhen gewesen“... (Hier geht’s zum Post von Makenzie Schultz)