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Was wäre wenn ...?


Vor einigen Jahren bat mich meine Oma darum, ihre Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg in den Computer einzutippen. Sie wuchs in Schlesien auf und musste mit ihrer Familie Anfang 1945 aus ihrem Dorf fliehen. Für eine Zeitung aus der alten Heimat hatte sie alles per Hand niedergeschrieben. Ich brachte die Zeilen ein wenig in Form und in eine Datei.

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Meine Oma pflegte viele Kontakte zu Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlebt hatten. Ihnen schickte sie einen Ausdruck ihrer Erinnerungen zu. So kam es, dass eine Berliner Freundin von ihr mich eines Tages anrief. Sie drückte aus, wie sehr sie es freute, dass ich mich Omas Geschichte gewidmet hatte. Und sie erzählte mir in etwa einer Stunde ihre eigene.

Auch sie und ihre Familie waren gezwungen zu fliehen. Sie hatten geplant, sich einem bestimmten Treck anzuschließen, der sie in sicheres Gebiet führen sollte. Die Familie hatte alles Nötige gepackt und vorbereitet. Doch an dem Tag, an dem es losgehen sollte, wurde sie, damals ein kleines Mädchen, schwer krank. Im wahrsten Sinne des Wortes fieberten alle nach der richtigen Entscheidung: Mit dem Treck ziehen? Hierbleiben?

Das Risiko war den Eltern zu groß. Der Treck musste ohne sie losziehen. Die Familie wartete ein paar Tage, dann nahm sie eine andere Route, um sich in Sicherheit zu bringen. Das rettete allen das Leben! Denn den Menschen aus dem Treck ist es nicht gut ergangen – die wenigsten von ihnen kamen heil am Zielort an.

Als ich diese Geschichte vor einiger Zeit einem Bekannten erzählte, sagte dieser: „Das habe ich mir zum Glück angewöhnt: immer das Gute zu sehen in dem, was mir passiert. Es hat schon alles seine Richtigkeit.“ Danach unterhielten wir uns noch eine Zeit lang über Wege, die wir in unserem Leben so eingeschlagen haben – und über die Frage, wie es uns wohl ergangen wäre, wenn wir einen anderen Weg gewählt hätten.

Erfahren werden wir es nie. „Wir können nur im Moment die Dinge annehmen, wie sie sind. Und wir können nach vorne schauen“, sagte mein Bekannter. Wie wahr.