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Wenn Dinge anfangen zu nerven


„Dieses Teil nervt mich“, sagte meine Tochter gestern übelgelaunt zu mir. Sie hatte in der Küche einen Schritt rückwärts gemacht und stieß dabei an einen Flaschenkorb am Boden. Ich gab ihr Recht. „Das Teil nervt wirklich!“ Als der neue Kühlschrank vor wenigen Tagen bei uns einzog, veränderte sich alles in diesem Raum. Ein Regal rückte nach da, das andere nach dort. Der Flaschenkorb wanderte von seiner erhöhten Residenz auf den Boden und steht tatsächlich im Weg.

Ich stoße beim Spülen oft an eines der Regale, das vorher nicht dort stand. Ich laufe jedes Mal zum falschen Regal, um einen Becher rauszuholen, weil ich den Ortswechsel noch nicht verinnerlicht habe. Das liegt daran, dass er auch keinen Sinn macht. Vorher standen die Kinder-Trinkbecher beim restlichen Geschirr – nun weit weg auf der anderen Küchenseite. Kurzum: Wir müssen umdenken.

Wenn dieser Schritt getan ist, wird die Küche ganz anders aussehen als früher. Eines habe ich inzwischen gelernt: Man darf dabei nicht an alten Möbeln oder Gegenständen festhalten, die plötzlich nicht mehr reinpassen. Denn entweder ich baue meine Küche um die alten Sachen herum und bin nur halb zufrieden damit. Oder ich verlasse meine Komfortzone und denke die Küche neu, mit aller Konsequenz.

Im Konkreten sieht das so aus: Regale raus, Flaschenkorb weg, neue Stauräume schaffen, eine Küche zum Wohlfühlen kreieren. Glücklicherweise habe ich einen Partner, der solche Aufgaben kreativ ohne große finanzielle Ausgaben umsetzen kann. Die Alternative wäre: Regale wieder woanders hinrücken, Flaschenkorb immer mal wieder von A nach B schieben. Das Ergebnis wäre eine zusammengewürfelte Kombination aus Mobiliar, das einfach funktional nicht mehr zusammenpasst.

Ich kenne das sehr gut, das Festklammern an alten Möbelstücken, die mir seit Jahren gute Dienste erwiesen haben. Ein gut verarbeiteter Echtholzschrank ist langlebig und übersteht einige Umzüge. Wenn ich Glück habe, sieht er auch optisch gut aus. Doch manchmal muss man sich fragen, ob einen das Stück auch wirklich glücklich macht!? Als ich mir die Frage zu einer alten Nähmaschine stellte, die mich von Wohnung zu Wohnung begleitet hatte, flog sie kurz darauf hinaus. Sie war eher eine Belastung als eine Freude.

Meinen Flaschenkorb finde ich zum Beispiel wunderschön. Ich habe ihn mir ganz gezielt ausgewählt. Deshalb halte ich seit Monaten an ihm fest, obwohl ich ihn in der jetzigen Wohnung gar nicht mehr benötige. Während ich das schreibe, fällt mir eine Freundin ein, die genau einen solchen Flaschenkorb haben wollte. Ich werde sie fragen, ob sie ihn gebrauchen kann. Und meine Küchenregale? Die können auch woanders gute Dienste leisten!