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Tablet oder Taschenbuch?


Ich erinnere mich, wie ich (Tiki) als kleiner Junge geträumt habe, dass sich die Zeichnungen in meinem Bilderbuch bewegen. Inzwischen ist das Realität. Auf Smartphones und Tablet-Computern laufen die Medien ineinander: Texte, Audio, Video, interaktive Elemente. Auf YouTube ist zu sehen, wie ein einjähriges Mädchen auf einem Tablet-PC herumspielt und entdeckt, dass es mit seinen kleinen Fingern ein Bild größer oder kleiner machen kann. Danach wird man Zeuge, wie die Kleine dasselbe mit den Fotos in einer Zeitschrift versucht. Lesen – eine Jahrhunderte alte Kulturtechnik – verändert sich massiv und wird dadurch wieder interessant für die Forschung.

Beim Lesen improvisiert Ihr Gehirn

Durch die Neurowissenschaften wird immer klarer: Ihr Kopf speichert keine Buchstaben. Texte behandelt Ihr Gehirn wie Objekte der realen Welt, die sich anfassen, drehen oder kippen lassen. Unser lateinisches Alphabet wird prinzipiell von den schnell arbeitenden Hirnregionen verarbeitet, die zuständig sind für die Erkennung von Objekten. Bei komplizierteren Schriften – z. B. kursiven Texten, GROSSBUCHSTABEN, aber auch bei der chinesischen Schrift – bemüht unser Gehirn zusätzlich Areale des aktiven Schreibens und braucht daher länger.

simplify-Rat: Probieren Sie die auf Ihrem E-Book-Reader verfügbaren Schriftarten und -größen aus, und legen Sie sich dann auf Ihre persönliche Lieblingsschrift fest. Anders als bei Druckerzeugnissen sind am Bildschirm serifenlose Schriften wie Arial, Helvetica oder Verdana oft besser lesbar als serifenbehaftete Schriften.

Ihre Augen sind Gourmets

Das Beste ist für sie gerade gut genug. Dass viele mit ihren ersten Leseversuchen auf einem frühen Modell von Kindle, Sony oder Tolino unzufrieden waren, lag vor allem daran: Ihr hochsensibles Sehorgan fühlte sich durch die derbe Klötzchengrafik der Bildschirme mit geringer Auflösung beleidigt.

simplify-Rat: Wenn Sie sich einen E-Reader oder einen Tablet-PC anschaffen, greifen Sie nicht zu einem älteren (günstigeren) Gerät, sondern nehmen Sie ein aktuelles Modell mit einem ausgereiften Display. Entsprechende Tests finden Sie etwa bei der renommierten Computerzeitschrift Chip (chip.de/bestenlisten) sowie auf Spezial-Portalen wie lesen. net/ebook-reader-vergleich.

Ihr Gehirn liebt Landkarten

Herausragende Fähigkeiten hat Ihr Gehirn bei der Orientierung im Raum. Bei Texten auf Papier – so das Ergebnis entsprechender Tests – können sich die Leser ziemlich gut merken, an welcher Stelle einer Doppelseite sie eine bestimmte Information gelesen haben. Enthält die Seite Bilder, wird das Wiederfinden zusätzlich erleichtert. Gedruckte Bücher bieten vielfältige Anhaltspunkte für das Ortsgedächtnis, Dicke und Gewicht der bereits gelesenen Seiten geben zusätzliche Information darüber, wo im Buch Sie sich gerade befinden.

simplify-Rat: Wenn Sie sich an Inhalte gut erinnern müssen (etwa weil sie Lernstoff sind oder beruflich relevante Informationen enthalten), sollten Sie auf Papier lesen und all Ihre Möglichkeiten nutzen: anstreichen, Kommentare machen, zurückblättern, Unwichtiges überfliegen. Dieser Rat gilt Untersuchungen zufolge auch für junge Menschen, die mit der digitalen Technik bereits groß geworden sind. Unterhaltungsliteratur dagegen wird auf E-Readern und Buchseiten gleich gut vom Gehirn aufgenommen – solange die Darstellungsqualität der Buchstaben stimmt. Um haufenweise Romane in den Urlaub mitzunehmen oder das heimische Bücherregal vor einem Kollaps zu bewahren, ist daher ein E-Reader ideal für Sie.

Blättern statt scrollen

Wenn auf dem Bildschirm die Zeilen nach oben wegscrollen, wird das Erinnern an den Ort bestimmter Inhalte schwierig bis unmöglich. Zudem verbraucht Scrollen, so eine schwedische Untersuchung, mehr kognitive Ressourcen als das Anklicken oder Umblättern von Seiten.

simplify-Rat: Wenn Sie sowohl einen E-Book-Reader als auch einen Tablet-PC zur Verfügung haben, sollten Sie für Texte, die Sie sich merken müssen, auf den E-Book-Reader setzen. Mittlerweile ahmen alle gängigen E-Book-Lesegeräte Buchseiten nach. Damit Ihr Gedächtnis sich das auch zunutze machen kann, müssen Sie allerdings die Schriftart und -größe beibehalten, die Sie einmal gewählt haben, denn bei jeder Veränderung der Schrift ändert sich auch der Umbruch.

Erwirb es, um es zu benutzen

Die Forscherin Abigail Sellen von Microsoft Research hat festgestellt: Nutzer von Lesegeräten betrachten das E-Book, das sie darauf lesen, weniger als ihren Besitz als die Käufer eines gedruckten Exemplars. Digitalleser rezipieren Texte tendenziell weniger engagiert und ernsthaft – noch. Als es möglich wurde, Musiktitel aus dem Internet herunterzuladen, waren Nutzer und Industrie anfangs ähnlich skeptisch. Inzwischen ist das ganz normal, und so wird meiner Überzeugung nach das digitale Buch auch bald gleichwertig neben dem gedruckten stehen.

simplify-Rat: Verschanzen Sie sich nicht hinter Positionen wie „Ich kann nur auf Papier lesen“ oder „Gedruckt ist doch out“. Die Entwicklung hat gezeigt: Neue Medien ergänzen alte. Verschwenden Sie Ihre Energie nicht auf Kämpfe für oder gegen Entwicklungen, die Sie nicht beeinflussen können, sondern nutzen Sie je nachdem, was und wo Sie lesen, die Vielfalt der Möglichkeiten. 

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