simplify steht für einen einfachen Weg zu einem bewussten und erfüllten Leben in einer komplexen Welt.

Wie Sie mit klugen mentalen Strategien besser durchs Leben kommen


Können Sie all Ihre Lebensweisheit in einem einzigen Satz zusammenfassen? Vermutlich nicht. Der Schweizer Schriftsteller Rolf Dobelli ist überzeugt: Um mit unserer komplexen Welt zurechtzukommen, brauchen wir nicht eine Weisheit, sondern viele. 52 Denkwerkzeuge hat er identifiziert, die zur „Kunst des guten Lebens“ beitragen. Das sind unsere 5 Lieblinge:

Seien Sie immer zu Kurskorrekturen bereit

Hätten Sie das gewusst? Flugzeuge sind 0 % (null!) ihrer Flugzeit exakt auf Kurs. Damit sie ihren Zielflughafen erreichen, muss der Autopilot den Kurs permanent neu ausrichten. Daraus lässt sich eine simple Lebensweisheit ableiten: Wir Menschen halten dagegen oft krampfhaft am einmal eingeschlagenen Kurs fest – auch wenn der längst nicht mehr zielführend ist. Denn wer seine ursprünglichen Pläne revidieren muss, fühlt sich (und gilt) oft als Versager.

simplify-Rat: Beherzigen Sie den Ausspruch des amerikanischen Generals und späteren US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower (1890–1961): „Pläne sind nichts. Planen ist alles.“ Nehmen Sie’s gelassen, wenn Ihre Pläne nicht so funktionieren, wie Sie sich das vorgestellt haben. Machen Sie neue, und fragen Sie dazu ganz pragmatisch: „Was muss ich jetzt tun, um mein Ziel zu erreichen?“

Treffen Sie Grundsatzentscheidungen

Ein zweites Mal von dem leckeren Nachtisch nehmen oder die Mahlzeit beenden? Ambulante Knie-Operation oder zumindest eine Nacht in der Klinik? Dem Kollegen tüchtig Kontra geben oder um des lieben Friedens willen den Mund halten? Tag für Tag müssen Sie sich mit kleinen und großen Entscheidungen herumschlagen. Das Problem: Ist Ihr Gehirn von vielen Entscheidungen ermüdet (Fachbegriff: decision fatigue), entscheidet es sich für die Variante, die am wenigsten Willenskraft erfordert. Doch die ist oft nicht die beste!

simplify-Rat: Entlasten Sie sich, indem Sie für eine Reihe von Situationen Grundsatzentscheidungen fällen, an die Sie sich unter allen Umständen halten. Dobelli nennt sie „Gelübde“. Beispiele: Sie trinken grundsätzlich keinen Alkohol, wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind. Sie arbeiten als Freiberufler grundsätzlich nicht am Sonntag (auch wenn Sie dadurch unter der Woche eine Nachtschicht einlegen müssen). Sie essen grundsätzlich nur Biofleisch. Weiterer Vorteil: Haben Sie Ihre Prinzipien klar kommuniziert, stellen andere die üblichen Überredungsversuche („Ach, das halbe Glas Wein ist doch kein Problem“) schneller ein.

Vermeiden Sie Probleme

Was unterscheidet einen Kindertherapeuten von einer Grundschullehrerin? Ein guter Therapeut löst schwierige Probleme. Eine gute Lehrerin arbeitet daran, dass Probleme gar nicht erst entstehen. Dabei vollbringt sie Großartiges, auch wenn ihre Leistung weit weniger spektakulär ist als die des Problemlöser-Therapeuten. In Ihrem eigenen Leben haben Sie oft die Wahl, ob Sie lieber die Rolle des Therapeuten oder die der Lehrerin spielen wollen. Dobellis Rat für eine weitere Lebensweisheit: Entscheiden Sie sich für die Lehrerinnenrolle. Denn Schwierigkeiten lassen sich, sofern sie vorhersehbar sind, einfacher vermeiden als lösen.

simplify-Rat: Befassen Sie sich einmal pro Woche eine Viertelstunde lang mit den möglichen Risiken in Ihrem Leben.

  1. Stellen Sie sich vor, was passieren könnte.
  2. Analysieren Sie rückwärts, wie es zu dieser (nur in Ihrer Vorstellung eingetretenen) Katastrophe kommen konnte.
  3. Treffen Sie vorbeugende Maßnahmen.

Beispiel: 1. Ihre Ehe könnte scheitern. 2. Sie verbringen kaum noch Zeit miteinander. Das wiederum liegt hauptsächlich daran, dass sich Ihr Ehrenamt zu einem Fulltime-Job ausgewachsen hat und Sie permanent auf Achse sind. 3. Sie verabreden sich ab sofort zweimal pro Woche mit Ihrem Partner, und zwar so weit im Voraus, dass diese Termine fürs Ehrenamt nicht mehr zur Verfügung stehen.

Vergessen Sie Ihren guten Ruf

Imagepflege gilt heute als wichtiger denn je. Denn im Internet-Zeitalter breiten sich negative Informationen über Personen, Firmen, Organisationen nicht nur viel schneller, sondern auch viel weiter aus als früher. Das Foto, das Sie in angeheitertem Zustand zeigt, kann sich via Facebook binnen Sekunden weit über Ihren Bekanntenkreis hinaus verteilen. Beschwert sich Ihr unzufriedener Patient, Herr Mürrisch, auf Jameda über Ihre Arztpraxis, ist seine (ungerechtfertigte) Kritik noch Jahre später im Internet zu lesen.

simplify-Rat: Finden Sie sich damit ab, dass Sie nur sehr wenig Kontrolle darüber haben, was man in der großem weiten Welt von Ihnen denkt. Mit dieser Lebensweisheit können Sie leichter darauf verzichten, via Facebook, Twitter oder Instagram Ihr ideales Ich zu präsentieren. Vergleichen Sie sich nicht mit anderen, was die Zahl Ihrer Likes oder Ihrer Follower angeht. Sie selbst sind die Person, auf deren Urteil es Ihnen am meisten ankommen sollte! Sind Sie mit Ihrer Leistung zufrieden, müssen Sie nicht nach Lob von außen gieren.

Misstrauen Sie Ihren Erinnerungen

An kurze, intensive Freuden erinnern Sie sich viel stärker als an lang andauernde, unaufgeregte Freuden. Das liegt am Peak-End-Effekt: Das Gedächtnis speichert von einem längeren Zeitraum in erster Linie den intensivsten Moment und das Ende. Die Dauer des Erlebnisses spielt dagegen kaum eine Rolle (duration neglect). Testen Sie’s anhand Ihres letzten Urlaubs oder der vergangenen Weihnachtsfeiertage.

simplify-Rat: Richten Sie Ihr Leben nicht in erster Linie darauf aus, schöne Erinnerungen zu sammeln. Achten Sie stärker darauf, dass es Ihnen im Hier und Jetzt gut geht. Beispiele: Wenn Sie sehr sparsam leben, um einen großen Sommerurlaub zu finanzieren, bringen diese drei Wochen Ihnen zwar wunderbare Erinnerungen. Aber möglicherweise würden Sie die restlichen 344 Tage im Jahr mehr genießen, wenn Sie nicht jeden Cent zweimal umdrehen würden.  

footerData.7421003 = TEXT footerData.7421003.value(