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Unpünktlichkeit: So machen Sie es besser


Warum kommen Menschen häufig auf den letzten Drücker oder sogar zu spät? Nach vielen Jahren der Selbst- und Fremdbeobachtung glaube ich (Tiki), drei wesentliche Gründe für Unpünktlichkeit identifiziert zu haben, die nichts mit Arbeitsüberlastung oder schlechter Zeiteinteilung zu tun haben.

Aus falscher Voraussicht unpünktlich

Für meine Frau ist es eine durchaus angenehme Vorstellung, 15 Minuten vor der Abfahrt auf dem Bahnsteig zu warten und entspannt der Ankunft des Zuges entgegenzusehen. Mir dagegen bereitet die Idee Unbehagen, dort nutzlos Zeit zu vertun, gelangweilt herumzustehen und möglicherweise zu frieren. Da riskiere ich lieber, dass ich am Fahrkartenautomaten jemanden bitten muss, mich in der Schlange vorzulassen, oder nehme den Stress in Kauf, die letzten Meter zu rennen.

Mein Rat für alle, denen es ähnlich geht: Stellen Sie sich mit all Ihren Sinnen vor, wie Sie 10 oder 20 Minuten zu früh dran sind – am Zug, im Wartezimmer, im Restaurant, beim Kunden. Freunden Sie sich mit den inneren Bildern an, die Sie dabei erleben. Dann werden Sie automatisch für mögliche Wartezeiten vorsorgen (Lesestoff mitnehmen, bei fiesem Wetter mit Schal & Mütze aus dem Haus gehen etc.).

Unpünktlichkeit als Statussymbol

Man kennt das von Rockstars und manchen Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft: Von ihrer eigenen Wichtigkeit überzeugt, nehmen sie sich das Recht heraus, sich zu verspäten – oder sie kommen auf die Sekunde just in time. Müssten sie auf andere warten, wäre das für sie ein herber Imageverlust. Das gibt es auch auf dem Schauplatz Schule: So mancher aufmüpfige Schüler trifft mit Vorliebe erst kurz nach dem Gong ein und positioniert sich so gegenüber Lehrern und Mitschülern: „Seht her, ich bin hier der Bäcker und nicht das Brötchen!“ Und riskiert damit einen gewaltigen Rüffel oder sogar eine Strafe.

Mein Rat: Verzichten Sie auf derartige „Wer lässt wen warten“-Spiele – auch wenn Sie es sich ungestraft erlauben könnten. Zeigen Sie durch Ihr Vorbild, wo’s langgeht: als Chef Ihren Mitarbeitern, als Eltern Ihren Kindern, als Lehrer Ihren Schülern, als Kursleiter den Teilnehmern. Machen Sie Pünktlichkeit zu einer gemeinsamen Anstrengung, von der alle profitieren.

Unpünktlichkeit aus Freundlichkeit

Auf der anderen Seite sind es oft die besonders liebenswürdigen Menschen, die Probleme mit der Pünktlichkeit haben und andere dadurch vergrätzen. Sie wollen „immer ein offenes Ohr“ haben für andere, möchten am Telefon „niemanden abwürgen“ und keinesfalls die gemütliche Runde sprengen. Solch ein guter Mensch weiß, dass er um 11 Uhr aufbrechen sollte, um rechtzeitig zur nächsten Verpflichtung zu kommen. Naja, notfalls würde auch 11:30 reichen, denkt er – und bleibt bis auf den letzten Drücker. Eine positive Absicht mit negativen Folgen, denn: Zum Anschlusstermin kommt er natürlich zu spät. Um die Menschen, mit denen er dabei zusammentrifft, nicht zu enttäuschen, hängt er zum Ausgleich hinten Zeit dran, bricht anschließend noch gehetzter zum nächsten Termin auf etc. etc.

Mein Rat: Durchtrennen Sie die Zuspätkomm-Kette am vorderen Ende. Legen Sie bei Terminen nicht nur den Beginn, sondern auch das Ende fest. Klären Sie bei Telefonaten und geselligem Beisammensein bereits am Anfang Ihre zeitlichen Erwartungen. Reden Sie sich nicht ein, Sie könnten die Bitte des Kollegen „sicherlich in 2 Minuten erledigen“ oder „einfach ein wenig schneller fahren“. Kommunizieren Sie offen Ihren Zeitplan – und stehen Sie dazu. So sagen Sie Ihrer Unpünktlichkeit den Kampf an!

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