Messie

Messie? Harte Tipps für harte Fälle


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Wenn gegen das alltägliche Chaos gar nichts mehr zu helfen scheint

Achtung: Dieser Artikel ist nicht für Leute, die sich ab und zu einmal über ihren vollen Schreibtisch ärgern. Er ist auch nichts für Menschen, die sich wundern, warum in simplify your life immer so viel vom Aufräumen die Rede ist. Er ist gedacht für „Messies“, also Menschen, denen die angesammelten Gegenstände des Alltags buchstäblich über den Kopf wachsen. In Zusammenarbeit mit Betroffenen haben wir einige der gängigsten Methoden untersucht: warum sie so häufig nicht funktionieren – und was Sie tun müssen, damit es doch noch etwas wird mit dem bitter nötigen „simplifyen“.

Arbeiten Sie mit einem bezahlten Partner

Der übliche Tipp: Suchen Sie sich einen „Leidensgenossen“ und helfen Sie sich gegenseitig beim Entrümpeln. Warum das bei Messies nicht klappt: Die Vorstellung, nicht nur bei sich, sondern auch noch bei jemand anders ein Chaos besiegen zu müssen, ist nicht gerade verlockend. Manche Menschen schämen sich außerdem, wenn Bekannte so intim in ihr Tohuwabohu eindringen. Notfall-Tipp: Bezahlen Sie Ihren Helfer. Mieten Sie jemanden vom Studentenschnelldienst oder bieten Sie einem Schüler ein paar Euro für seine Mithilfe an. Ein derartiger Helfer diszipliniert Sie während der Arbeit, denn schließlich wollen Sie die bezahlten Stunden ja sinnvoll nutzen.

Finden Sie einen Flohmarkt-Profi

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Der übliche Tipp: Verschenken Sie, was Sie nicht mehr brauchen, aber zum Wegwerfen zu schade ist. Warum das nicht klappt: Es ist schwierig, Menschen zu finden, die ausgerechnet das brauchen können, was Sie aufgehoben haben. Notfall-Tipp für Messies: Auf jedem Flohmarkt gibt es „Halbprofis“ – keine berufsmäßigen Händler, aber Menschen mit Kaufen und Verkaufen als Hobby. Suchen Sie sich einen, der Ihnen vertrauenswürdig erscheint, und bieten Sie ihm Ihre Sachen kostenlos zur Abholung an (Voraussetzung ist natürlich, dass er alles komplett abnimmt). Damit helfen Sie dem Halbprofi, etwas zu verdienen, und Sie haben die Gewähr, dass viele Ihrer Sachen an Käufer geraten, die noch etwas damit anfangen können. Eignet sich besonders gut bei Kleidung.

Simulieren Sie eine Katastrophe

Der übliche Tipp: Stellen Sie sich vor, durch einen Zimmerbrand (der rechtzeitig gelöscht werden konnte) ist ein Teil Ihrer Sachen vernichtet worden. Warum das nicht klappt: Die Dankbarkeit, dass das ja nur eine Idee ist, überwiegt. Notfall-Tipp für Messies: Tun Sie es nicht nur in Gedanken, sondern führen Sie es wirklich durch: Packen Sie den Inhalt eines kompletten Schranks oder Regals in große Kisten und bewahren Sie die an einem für Sie schwer erreichbaren Ort auf (Dachboden, Keller, Garage, bei Bekannten). Leben Sie mindestens ½ Jahr ohne diese Sachen. Wie fühlt sich das an? War der Verlust so schlimm wie erwartet? Nutzen Sie Ihre dabei gewonnenen Erfahrungen, um noch radikaler zu entrümpeln.

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Denken Sie radikaler

Der übliche Tipp: Geben Sie alles weg, was Sie 1 Jahr lang nicht mehr benutzt haben. Warum das nicht klappt: Sie können sich einfach nicht von dem Gedanken lösen, dass auch Dinge, die viele Jahre ungenutzt lagerten, eines Tages wieder von unschätzbarem Wert sein könnten. Notfall-Tipp für Messies: Verschärfen Sie Ihre mentale Vorstellung. Stellen Sie sich vor, Sie hätten noch 1 Jahr zu leben. Was wäre dann wirklich noch von Bedeutung? Werfen Sie alles andere weg. Das klingt vielleicht makaber, aber es wird Ihnen ein neues, zukunftsorientiertes Leben ermöglichen!

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Packen Sie Ihren Nachlass

Der übliche Tipp: Heben Sie nicht Unmengen von Dingen für Ihre Nachkommen auf. Geben Sie Ihren Kindern oder Verwandten „mit warmen Händen“, was Sie ihnen nach Ihrem Tod vererben möchten. Warum das nicht klappt: An manchen dieser Dinge hängen Sie noch und möchten Sie selbst noch genießen. Notfall-Tipp für Messies: Besorgen Sie sich eine Truhe oder ein anderes „würdevolles“ Behältnis, in das Sie Ihre wertvollsten Stücke packen. Die Dinge, an denen sich die Menschen nach Ihnen erfreuen und die eine gute Erinnerung an Sie zurücklassen. Mehr, als in diese Truhe passt, dürfen Sie nicht hinterlassen. Verkaufen oder verschenken Sie alles andere. Seien Sie realistisch: Belasten Sie sich nicht mit Unmengen von Dingen, die nach Ihrem Tod ohnehin nicht wertgeschätzt werden.


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