Spiritualität

Aberglaube - warum der Glaube an Mystisches und Magisches so tief im Menschen verwurzelt ist


Freitag der 13., die schwarze Katze, das vierblättrige Kleeblatt oder das Glücksschweinchen - Jeder Mensch tendiert grundsätzlich zu magischem Denken, auch, wenn viele dies wahrscheinlich nicht zugeben würden. Doch warum scheint der Aberglaube selbst in unserer modernen und aufgeklärten Gesellschaft noch immer vorhanden zu sein? Wo hat er seine Ursprünge, welche Menschen sind besonders empfänglich für ihn und warum ist Aberglaube in bestimmten Situationen durchaus etwas Nützliches?

1) Aberglaube – eine Begriffserklärung

Das erste Mal taucht der Begriff Aberglaube im Zusammenhang mit dem Christentum auf und zwar im späten Mittelalter. Aberglaube prangert dabei die Abweichungen vom christlichen Glauben an, weshalb er auch als Widerglaube bezeichnet wird. Zwar waren die Heiden zu dieser Zeit in Europa bereits bekehrt, einige ihrer Bräuche übten sie jedoch weiter aus. Heilige Bäume, Zauber oder Amulette schürten bei der christlichen Kirche die Angst, sie würden die Bevölkerung vom sogenannten wahren Glauben abbringen. Ebenfalls Ziel der Kirche war es, den neu reformierenden und sektierenden Glaubensabspaltungen Einhalt zu bieten, so aberglaube.de. Personen, die alte Riten oder Bräuche ausführten, wurden als Hexen und Zauberer bezeichnet und dies glich in Zeiten der Inquisition nicht selten einem Todesurteil. Verfolgt und unter Strafe gestellt, wurde alles, was der Kirche fremd war und dies traf in der Anfangszeit sogar auf die aufkommenden Naturwissenschaften zu. Die Kirchenoberhäupter empfanden es als überheblich, Gottes Schöpfung anfassen und verstehen zu wollen, anstatt einfach auf seine unendliche Weisheit zu vertrauen.

Im weltlichen Bereich wird Aberglaube vielmehr als eine Art Regelwissen bezeichnet, welches sich nicht beweisen lässt. Des Weiteren bedeutet Aberglaube auch, dass mechanischen Vorgängen eine soziale Struktur gegeben wird. Ein Wetterphänomen wird also beispielsweise als das Werk eines Naturgeistes verstanden. Aberglaube entsteht ebenfalls durch die falsche Verknüpfung von Ursache und Wirkung, da Menschen dazu neigen, gleichzeitige Ereignisse in einen Kausalzusammenhang zu setzen. Der sogenannte Volksglaube ist dabei ein Hintergrund vieler weltlicher Formen des Aberglaubens. Hierzu zählen zum Beispiel die sogenannten Bauernregeln, welche auf den Erfahrungswerten aus Haushalt und Landwirtschaft aufbauen.

Zu beachten ist, dass die Einteilung in die Kategorien „richtiger Glaube“ und „Aberglaube“ ein westliches Phänomen ist. In anderen Kulturen wird häufig nicht zwischen diesen Formen unterschieden.

2) Die häufigsten Bereiche des Aberglaubens

Nun soll sich den Aberglauben der westlichen Welt zugewandt werden. Bei der Betrachtung fällt auf, dass Aberglaube in bestimmten Bereichen deutlich häufiger vertreten ist, als in anderen.

a) Das Glücksspiel

Das Glücksspiel ist einer der Bereiche, in denen Aberglauben weit verbreitet ist. Zwar wissen Spieler um die Macht des Zufalls, dennoch glauben viele von ihnen unter bestimmten Voraussetzungen besser spielen zu können. Dies können zum Beispiel bestimmte Rituale sein, wie das Tragen eines Glücksbringers oder auch das Spielen an einem bestimmten Tisch. Doch es gibt auch verschiedene Aberglauben, die eine Vielzahl an Spielern kennt, wie zum Beispiel das Tragen eines schmutziges Tuchs in der Tasche, welches Pech abwehren soll oder die Kreuz Vier, welche ein böses Omen sein soll, wenn man sie ausgespielt bekommt. Das Spiel ganz beenden, sollten Spieler, wenn ein Pik Ass zu Boden fällt, so ein weiterer Aberglaube. Genauso wenig ist es ratsam, einen Spieler anzusprechen, der gerade eine Glückssträhne hat.

Besonders abergläubisch sind Glücksspieler bei Spielen auf deren Ausgang sie keinen Einfluss haben. Während beispielsweise beim Pokern auch immer das eigene Können sowie die Taktik entscheiden, hat der Spieler beim Roulette keinerlei Einfluss mehr, sobald die Kugel einmal rollt.

Gefürchtet sind bei Roulettespielern unter anderem die sogenannten Trends. Bei jedem neuen Wurf stehen die Chancen wieder genau gleich. Dennoch kann es passieren, dass eine Kugel sechsmal hintereinander auf Rot zum Stehen kommt. Zwar kann sie auch zehnmal hintereinander auf Rot fallen, dennoch meint der Spieler, dass seine Gewinnchancen besonders hoch sind, wenn er auf Schwarz setzt, nachdem die Kugel mehrmals bei Rot gelandet ist. Wer solchen Trends folgt und meint, nun müsse doch „Schwarz“ kommen, verliert schnell seinen gesamten Einsatz. Ist dies der Fall und kommt erst danach wirklich Schwarz, wird von einem Trend gesprochen, welcher Unglück gebracht hat. Wie im Beitrag „Glücksbringer, Rituale und magisches Denken – Aberglaube beim Glücksspiel“ nachzulesen ist, fand der berühmteste Trend der Glückspielgeschichte im Jahr 1913 in Monte Carlo statt. Ganze 26 Mal hintereinander landete die Kugel damals auf Schwarz. Da alle Gäste immer wieder auf Rot setzten, machte sich bald Hysterie und Panik im Casino breit. Als dann endlich Rot kam, hatten die meisten Spieler bereits ihr gesamtes Kapital verspielt und die Spielbank war der eindeutige Gewinner des Abends.

b) Das Theater

Das Theater ist für viele Menschen ein mystischer und spiritueller Ort. Da die Aufführungen live sind, kann nicht immer alles geplant werden und manches bleibt so dem Zufall überlassen. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum das Theater ebenfalls ein Bereich ist, indem die dort Mitwirkenden zum Aberglauben neigen, beziehungsweise ihre ganz eigenen Rituale und Bräuche entwickeln. Einige dieser Rituale bestehen bereits seit Jahrhunderten und werden bis heute streng befolgt. Anbei eine kleine Auswahl (Quelle: Blog Theater Heilbronn)

c) Die Seefahrt

Seefahrer verbringen oft Wochen oder sogar Monate auf dem offenen Meer und sind seinen Naturgewalten schutzlos ausgeliefert. Hinzukommt, dass eine Vielzahl an Seemännern auf einem kleinen Schiff zusammengepfercht leben müssen und ihnen nur der endlose Ozean als Aussicht dient. Früher waren die hygienischen Zustände auf dem Schiff mehr als bedenklich und die Seefahrer wurden von tropischen Krankheiten oder Erkrankungen, aufgrund von schlechter Ernährung und verdorbenem Wasser, regelmäßig heimgesucht. Der Tod war also viele Jahrhunderte lang ein ständiger Begleiter auf hoher See. Diese Atmosphäre war ein fruchtbarer Nährboden für jede Form des Aberglaubens, von Seeungeheuern bis hin zu Geisterschiffen. Wie einem Beitrag von planet-wissen.de zu entnehmen ist, ist der Klabautermann wohl die am weitesten verbreitete Form des Aberglaubens auf See. Der Klabautermann ist ein guter Schiffsgeist, der unsichtbar ist, aber auf jedem Schiff mitfährt. Er sorgt auf dem Schiff für Ordnung, war den Schiffleuten jedoch früher auch unheimlich. Das lag daran, dass der Besatzung großes Unheil drohte, wenn doch einmal jemand den im Verborgenen operierenden Klabautermann zu Gesicht bekäme. Denn der Klabautermann zeigt sich nur als letzte Warnung, bevor er das Schiff verlässt und dieses daraufhin sinkt. Viele der Schauergeschichten der Seeleute lassen sich heute erklären, so zum Beispiel der Gesang der Meeressirenen, die die Seemänner auf den Grund des Meeres locken wollten. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um Walgesänge, welche die Seeleute bei ruhiger See nachts in ihren Kabinen hörten.

d) Der Sport

Nun soll sich noch den kuriosesten Aberglauben im Sport zugewendet werden. Auch hier dienen bestimmte Rituale wieder dem Aufbau eines Gefühls von Sicherheit, da auch im Sport die individuelle Tagesform und eben auch immer etwas Glück über Sieg und Niederlage entscheiden. Das Portal Netzathleten hat einige der kuriosesten Sportrituale zusammengestellt:

  • Kolo Touré, Nationalspieler der Elfenbeinküste, besteht darauf, immer als letzter Spieler den Platz zu betreten.
  • Jack Russel, ein ehemaliger Cricket-Nationalspieler aus England machte seinen Tee während einer fünf Tage andauernden Cricket Partie stets mit demselben Beutel, welchen er an einem Haken in seiner Umkleidekabine aufhängte. Zudem trug er seine komplette Karriere hindurch denselben weißen Hut.
  • Nachdem 1952 zwei Detroiter Fischhändler während eines Play-off-Spiels den heimischen Red Wings einen Tintenfisch aufs Eis warfen und die Mannschaft daraufhin gewann, wurde der Tintenfisch zum Talisman des Vereins.

Doch es gibt noch zahlreiche andere Beispiele, da die meisten Sportler ihre ganz eigenen Rituale pflegen. So betritt Miroslaw Klose stets mit dem rechten Fuß zuerst das Fußballfeld und Golflegende Tiger Woods trägt am letzten Turniertag immer ein rotes Hemd.

3) Die bekanntesten Aberglauben

Aberglauben gibt es im deutschen Raum viele, einige sind bekannter, andere nicht. Anbei sollen einige ausgewählte Aberglauben näher beleuchtet werden.

a) Die Zahlen sieben und 13

Die Zahl sieben gilt als Glückszahl, doch warum ist das so? Erst einmal vorweg, die Zahl sieben begegnet uns häufiger als andere Zahlen, so hat die Woche sieben Tage, Verliebte schweben auf Wolke sieben, in der Antike gab es sieben Weltwunder und Gott soll die Welt innerhalb von sieben Tagen erschaffen haben. Auch in anderen Kulturkreisen gilt die Sieben als glücksbringende Zahl. In der christlichen Mystik ist die Zahl sieben das Ergebnis aus drei und vier, wobei drei für die heilige Dreifaltigkeit und vier für die vier Elemente steht.

Das Gegenstück zur Sieben ist die Zahl 13, die im westlichen Kulturkreis mit Unglück in Verbindung gebracht wird. Besonders beängstigend wirkt die 13 auf abergläubische Personen in Kombination mit einem Freitag. Die Angst vor Freitag dem 13ten hat sogar einen eigenen medizinischen Namen bekommen, nämlich Paraskavedekatriaphobie. Doch die 13 löst scheinbar bei vielen Menschen Beklemmungen aus, warum sonst gibt es in zahlreichen Hotels rund um die Welt keinen 13ten Stock, in vielen Flugzeugen keine Sitzreihe 13 und im Motorsport keine derartige Startnummer? Diese Liste ließe sich beinahe endlos weiterführen, doch eine klare Antwort, warum die Zahl 13 so verrufen und die sieben so beliebt ist, gibt es schlichtweg nicht. In einigen Ländern ist die 13 eine Glückszahl und in Mexiko sogar eine heilige Zahl.

b) Die Scherben

Scherben bringen Glück – diesen Aberglauben hat wohl jeder schon einmal gehört. Doch wo hat er seinen Ursprung? Es gibt dazu zwei mögliche Erklärungsversuche:

  • Früher war der Begriff Scherbe die Allgemeinbezeichnung für Töpfergut. Womöglich bedeutet „Scherben bringen Glück“ also nur, dass Töpfergut, am besten reich gefüllt, Glück bringt.
  • Die verbreitetere Erklärung besagt, dass das Ertönen von zerbrochenem Ton böse Geister vertreiben soll. Der Brauch, Tonschalen zu zerschlagen, war deshalb Bestandteil uralter Rituale und kommt auch heute, zum Beispiel beim Polterabend vor der Hochzeit, zum Einsatz. Ebenfalls Glas zerbrochen, wird bei der Taufe eines Schiffs, dann allerdings in Form einer Champagnerflasche.

Der Aberglaube besagt jedoch auch, dass ein zerbrochener Spiegel sieben Jahre Pech zur Folge hat, es bringen also nicht alle Scherben Glück. Der Aberglaube mit dem zerbrochenen Spiegel und seinen Scherben geht darauf zurück, dass der Spiegel angeblich die Seele des Hineinschauenden beherbergt. Zerbricht der Spiegel, zerbricht also auch die Seele und diese braucht, so ein weiterer Aberglaube, sieben Jahre, um wieder zu heilen. Weiterhin ist der Spiegel auch ein Tor für das Böse und das Dämonische. Wird er zerbrochen, können also auch die bösen Geister in das Diesseits eindringen und Unheil anrichten. Ist das Unglück trotz aller Vorsicht geschehen und der Spiegel ist zerbrochen, soll es helfen, Salz über die Scherben zu streuen oder sie um Mitternacht im dunkelsten Teil des Gartens zu vergraben.

c) Die schwarze Katze

Schwarze Katzen sollen Unglück bringen, so der Aberglaube. Doch dies war nicht immer so. Im alten Ägypten galten Katzen als die Reinkarnation der Göttin Bastet. Die Griechen waren es, die die Katze schließlich nach Europa brachten. Dort wurde ihr nichts Göttliches zugeschrieben, dennoch wurde sie für ihre Jagdkünste geschätzt, hielt sie doch Haus und Garten frei von Mäusen und Ratten. Das Christentum führte dazu, dass die Katze an Ansehen verlor. Nun verkörperte die Katze das Heidentum und war der ständige Begleiter von bösen Hexen. Deshalb wurde im Mittelalter die Ausrottung der Katzen angeordnet. Ein Funken Ironie schwingt bei der Tatsache mit, dass daraufhin die Pest Einzug hielt, welche sich über die Flöhe von Ratten überall verbreitete und Millionen Menschen dahinraffte. Erst nach der Französischen Revolution rehabilitierte sich die Katze und gewann erneut an Beliebtheit. Die Seefahrer hatten zum Beispiel häufig eine Katze als Glücksbringer an Deck.

Dass gerade schwarze Katzen noch heute als Unglücksbringer gelten, geht jedoch auf einen alten Glauben der Kelten zurück. Diese meinten, schwarze Katzen seien besonders ungezogen und brächten giftige Schlangen ins Haus.

d) Das Hufeisen

Die ersten Schmiede bearbeiteten Eisen ab dem 12. Jahrhundert und dem Metall wurden von Anfang an übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Wie auf der Seite des Hufschmieds Thomas Graw nachzulesen ist, glaubten die Menschen damals, Eisen könne vor Naturkatastrophen schützen, böse Geister abwehren und sogar unverwundbar machen. Da die Menschen meinten, weder Geister noch der Teufel persönlich könnten unter einem Bogen aus Eisen hindurchgehen, hängten sie Hufeisen, deren Öffnung nach unten gerichtet war, über ihre Eingangstüren. Im Mittelalter war zudem der Glaube verbreitet, Hexen flögen nur deshalb auf Besen, weil sie Angst vor Pferden hätten. Das Hufeisen sollte die Hexen also an Pferde erinnern und wurde deshalb auf den Sargdeckel hingerichteter mutmaßlicher Hexen genagelt. Heute glauben viele Menschen, dass es Glück bringt, ein Hufeisen zu finden. Dieses wird dann allerdings mit der Öffnung nach oben über die Tür gehängt, damit das Glück nicht herausfällt.

e) Das Schwein

Rosige Hausschweine gelten seit jeher als Glücksbringer, doch der Grund dafür kann nicht eindeutig benannt werden. Ein Erklärungsversuch sagt, dass Schweine ihren Besitzern zu Reichtum verhelfen. Schweine fressen so ziemlich alles, also auch Hausabfälle. Sie werden groß und dick und der Besitzer kann sie dann für viel Geld verkaufen. Es findet also eine große Wertsteigerung statt, ohne dass dafür ein besonders großer Einsatz nötig wäre. Auf diesen Umstand geht wohl auch das Sparschwein zurück. Ein weiterer Faktor, der wohl dazu beigetragen hat, das Schwein zum Glücksbringer zu machen, ist seine Fruchtbarkeit.

f) Die Leiter

Unter einer Leiter hindurchzugehen, vor allem, wenn diese an eine Wand gelehnt ist, bringt großes Unglück, so der Aberglauben. Dies geht auf die heilige Form des Dreiecks zurück. Die Leiter, die Wand und der Boden bilden ein Dreieck und wer durch das Dreieck geht, verletzt den heiligen Raum. Eine andere, ganz praktische Erklärung sagt, dass die Leitern im Mittelalter eher schlecht konstruiert waren und nicht selten mitsamt der darauf stehenden Person zusammenbrachen. Wer dann im falschen Moment darunter durchging, musste dies im schlimmsten Fall mit seinem Leben bezahlen.

4) Ursachen für den Aberglauben

Nun wurden bereits einige verbreitete Aberglauben beleuchtet, doch es stellt sich nach wie vor die Frage, woher der Aberglaube an sich eigentlich kommt beziehungsweise, warum manche Menschen eher zu Aberglauben neigen als andere.

a) Das Weltbild

Ein als abergläubisch bezeichnetes Weltbild besitzt meist eine weniger in sich geschlossene Struktur, als zum Beispiel jene, die in der lateinsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters für die katholische Kirche entwickelt wurde. Durch die Christianisierung im Mittelalter wurde den sogenannten Heiden der christliche Glaube aufgezwungen und ihre alten Bräuche und Riten wurden verboten.

Durch diese Christianisierung fehlte diesen Menschen jedoch der Unterbau ihres Weltbildes, der vorher aus ihrem eigenen Glauben bestand.  Nur einzelne Zeremonien blieben erhalten oder tarnten sich als katholisch gebilligter Heiligenglauben, so zum Beispiel das Silvesterschießen. Aufgrund der narrativen Einbettung der Inhalte des Aberglaubens liefert er Wissenschaftlern noch heute Einblicke in das soziokulturelle Wissen alter Kulturen und deren Riten und Bräuche. Der Glaube wird also dann zum Aberglauben, wenn er mit der soziokulturellen Entwicklung des Umfeldes nicht mehr mithalten kann.

b) Die Psychologie

Der Beitrag „Psychologie des Aberglaubens“ der Idsteiner Mittwochsgesellschaft beleuchtet den psychologischen Aspekt des Aberglaubens sehr umfangreich. Die wichtigsten Erkenntnisse sollen nun kurz umrissen werden:

c) Rituale und Bräuche

Nicht selten ist Aberglaube eine Form von überlieferten, wiederholten und somit habitualisierten Handlungen und Bräuchen. Diese mögen in ihrer Entstehungszeit einem gewissen Zweck gedient haben, sind nun aber sinnentleert. Auf die soziale Funktion des Aberglaubens deutet hin, dass dieser in bestimmten Milieus verbreiteter ist als in anderen. Wie bereits erwähnt, sind unter anderem die Berufsgruppen der Schauspieler, Seefahrer oder auch Sportler im besonderen Maße empfänglich für Aberglauben, da sie sehr von äußeren Umständen abhängig sind. Dies trifft genauso auf Soldaten im Krieg oder auch Bauern zu.

5) Warum Aberglaube auch etwas Nützliches sein kann

Aberglaube ist, obwohl er von den meisten Menschen belächelt wird, durchaus etwas Nützliches. Zu diesem Ergebnis kam, so der Süddeutschen Zeitung zu entnehmen, eine Studie der Universität Köln (zum PDF-Download der Studie). Wie bereits erwähnt, neigen unter anderem Sportler verstärkt zu abergläubischem Verhalten. In mehreren Experimenten mit Probanden kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich die sportlichen Leistungen der Teilnehmer des Versuchsaufbaus verbesserten, wenn diese das Gefühl bekamen, eine übersinnliche Unterstützung zu erfahren. Dies wurde zum Beispiel einmal durch einen angeblichen „Glücksgolfball“ und einmal durch das „Daumendrücken“ einer der Versuchsleiterinnen gewährleistet. Positiver Aberglaube hilft demnach also wirklich bei der Erbringung besserer Leistungen, so die Erkenntnis der Studie.

Die liegt an dem bereits erwähnten Kontrollbedürfnis des Menschen. Der Einzelne möchte die Welt, die ihn umgibt, so verständlich, geordnet und vorhersehbar wie möglich erleben. Die ständige Sinnsuche ufert deshalb nicht selten in abergläubischen Handlungen  aus, welche dem Betreffenden das Gefühl von Sicherheit und Kontrolle vermitteln. Manchmal stellt sich daraus auch der sogenannte Placebo-Effekt ein. Wenn jemand also nur fest genug an etwas glaubt, zum Beispiel an die heilende Wirkung eines Talismans, tritt diese wirklich ein.

Fazit

Aberglaube hilft den Menschen seit jeher mit unberechenbaren Situationen umzugehen. War dies früher, zum Beispiel in Zeiten des finstreren Mittelalters, noch sehr viel verständlicher, wird der Aberglaube heute in unser aufgeklärten Gesellschaft, in denen Informationen jederzeit und überall verfügbar sind, von den meisten Menschen eher belächelt. Doch trotzdem neigt jeder Einzelne zu abergläubischem Verhalten, ob er sich dessen nun bewusst ist oder nicht. Vor allem bestimmte Berufsgruppen, die in starkem Maße von äußeren Einflüssen betroffen sind, weisen einen Hang zum Aberglauben und dem Glauben an Mystisches und Übersinnliches auf. Der Aberglaube kann, wenn er den Menschen in seinem täglichen Leben einschränkt, natürlich negative Folgen haben. Umgekehrt wirkt er sich jedoch oft auch positiv auf die Leistungen des Menschen aus, da dieser sich mithilfe des Aberglaubens ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit verschafft.


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