03.06.2013

simplify zum Mitmachen: Wie wichtig ist es, andere zu loben?


In meinen Seminaren zur Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg habe ich gelernt, dass Urteile stets ein Ungleichgewicht in der zwischenmenschlichen Beziehung erzeugen. Wenn ich z. B. jemanden scharf kritisiere, beurteile ich die Person oder ihr Verhalten. Dasselbe gilt auch fürs Loben – und das ist den wenigsten bewusst: Wenn wir loben, erlauben wir uns ein positives Urteil!

Bildhaft ausgedrückt stelle ich mich bei einem Urteil immer höher als mein Gegenüber, das ich bewerte – und zwar egal ob ich eine vernichtende Kritik oder ein aufbauendes Lob von mir gebe. Ich kenne Eltern, die aus diesem Grund jegliches klassische Lob vermeiden und dazu übergegangen sind, sich persönlich zu äußern. Statt: „Dein Bild ist aber schön geworden“ sagen sie „Oh, du hast ein Bild gemalt!?“ und drücken ihre Anerkennung nonverbal oder über die Tonlage aus, oder sie sagen etwas wie „Dein Bild berührt mich, weil es mir ein Gefühl von Freiheit vermittelt.“

Ich selbst habe das hin und wieder versucht, gebe aber zu, dass es mir sehr schwer fällt als Mutter nicht zu loben. Schließlich werde ich häufig mehrmals täglich mit der Frage „Wie gefällt dir das?“ oder einem neuen Gemälde konfrontiert. In der Kommunikation mit Erwachsenen fällt es mir leichter, auf Augenhöhe zu sprechen und das mir gewohnte Bewertungssystem auszuschalten. 

Ja, richtig, wir sind es gewohnt zu bewerten. Deshalb fällt es uns extrem schwer, davon abzulassen. Wie oft denken wir über andere Personen: „Das Verhalten ist unmöglich!“ oder „Das hat sie aber toll hinbekommen!“ Das geschieht automatisch und zeigt, wie sehr unsere innere Haltung auf Urteile programmiert ist. Die meisten Menschen erwarten sogar unser Urteil, wenn sie z. B. etwas Besonderes geleistet oder eine Herausforderung gemeistert haben. Auch ich lasse es mir nicht nehmen zu sagen: "Deine Lösung für Problem xy war einfach genial!", wenn mir danach ist.

Das Fatale an den Urteilen ist, dass sie oft direkten Einfluss auf unsere Beziehungen nehmen. „Immer lässt du deine dreckigen Schuhe mitten im Flur stehen!“ wird ein gutes Miteinander wenig fördern. „Das haben Sie sehr gut gemacht, Frau Maier!“ zeugt zwar von Respekt und Wertschätzung. Doch wenn wir genau hinsehen, macht es Frau Maier klein und denjenigen, der lobt, ein Stück größer.

Ist das ein Grund, sich das Loben abzugewöhnen? Oder ist das klassische Lob wichtig, wenn wir gute Beziehungen führen wollen? Schreibt uns eure Meinung dazu! Wir sind gespannt!

Zum Thema "Urteilen" empfehle ich übrigens folgenden simplify-Beitrag: Gelassenheit: Mehr leben - weniger beurteilen


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