Lerntypen

Lerntechniken für mehr Kreativität


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Takeo Higuchis famose Methode für mehr Kreativität

Deutsche und Japaner gelten als erfindungsreiche Ingenieure, clevere Tüftler und innovative Geisteswissenschaftler mit alter Kultur. Und beide Völker bewundern sich dafür gegenseitig. Weil das Buch simplify your life auch in Japan ein Erfolg ist, haben wir ab und zu Kontakte zur Autorenszene Nippons – und entdeckten dort das Marathon-Ideen-System IMS von Takeo Higuchi, ein viel verkauftes Werkzeug zur Steigerung des eigenen Erfindungsreichtums, das auch Ihre Lerntechniken bereichern kann.

Kreativität von der sportlichen Seite

Higuchis Methode beruht auf einer Grundeinsicht der Gehirnforscher im Bezug auf Lerntechniken für Kreativität:

Wenn Ihr Geist auf Massenproduktion getrimmt ist, liefert er die besten Ergebnisse. Bitten Sie einen kreativen Menschen, eine brillante Lösung für ein Problem zu finden, tut er sich schwer und fühlt sich gestresst. Fordern Sie ihn dagegen auf, innerhalb der nächsten Stunde mindestens 25 Geistesblitze zu diesem Thema zu produzieren, klappt das in der Regel – und die Chance ist groß, dass einer davon die gesuchte Spitzenlösung ist.

Higuchis Kerngedanke: Verpflichten Sie sich, wie beim Training für den Marathonlauf eine feste Tagesleistung an neuen Einfällen zu erbringen. Erzeugen Sie anfangs mindestens 1 Idee pro Tag, dann allmählich auf 3 steigern. Das ergibt pro Jahr rund 1.000 Ideen. Klingt verrückt, hat aber offenbar großen Erfolg – in einigen Branchen Japans ist Higuchis Methode eine Selbstverständlichkeit geworden.

Was ist eine Idee?

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Als Kreativeinfälle in Higuchis Sinne gelten technische Innovationen (eine neue Art Windgenerator), literarische Eingebungen (ein Gedicht, das Handlungsschema eines Romans), philosophische Gedanken (eine neue Metapher für den Tod), die Idee für ein Bild, eine Skulptur, ein Musikstück usw. Dabei zählen nicht nur noch nie da gewesene Ideen, sondern auch neue Kombinationen vorhandener Gegebenheiten (einen Milch-Aufschäum-Quirl verwenden, um damit Farbe auf eine Leinwand zu spritzen) oder Entdeckungen in einer fremden Umgebung, die Sie in Ihr Umfeld übernehmen können. So bringt das aufmerksame Beobachten im Ausland oft eine besonders hohe Ausbeute beim Ideensammeln und sollte ein fester Bestandteil Ihrer kreativen Lerntechniken sein.

Allzeit bereit

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A und O der Lerntechniken des Ideenmarathons: dass Sie stets ein Ideenbuch bei sich haben und aufnahmebereit halten. Das Kernstück von IMS ist ein sehr kompakter Jahreskalender im Westentaschenformat, der für jeden Tag 3 Felder enthält: eine Zeitleiste für Termine, Zeilen für Ihre Ideen und ein kariertes Quadrat für Zeichnungen.

Für dieses 12 x 15 Kästchen große Feld ist hinten im Kalenderbuch eine transparente Plastikkarte mit dem gleichen Muster enthalten. Wie Leonardo da Vinci oder Albrecht Dürer können so auch weniger Zeichenbegabte ein Motiv kästchenweise abmalen.

Ständige Bilanz

Ganz vorn im IMS-Buch ist eine Übersicht, auf der Sie die Anzahl Ihrer Ideen eintragen. Higuchi empfiehlt bei den Lerntechniken für mehr Kreativität, Ihre Einfälle von Anfang an durchzunummerieren. So haben Sie einen Überblick über Ihre Geistesleistung und können später leichter darauf zurückgreifen (Verbesserung unseres Morgenmeetings: Ideen 23, 110 und 268). Widmen Sie Ihrem Ideenbuch 10 Minuten pro Tag, etwa bei Wartezeiten oder der (typisch japanischen) täglichen Zugfahrt.

Den Wert sehen

Entscheidend an Ihren Ideen ist der Nutzen, den sie Ihnen oder anderen Menschen bringen. Higuchi rät, sich klar zu machen: In jedem Ihrer 1.000 Einfälle eines Jahres stecken potenziell eine Existenzgründung oder wenigstens die Kosten für eine warme Mahlzeit. Im Ideenbuch von Sony-Gründer Akio Morita stand eines Tages „tragbarer Kassettenspieler ohne Aufnahmefunktion mit Batterie und Kopfhörern zum Musikhören unterwegs“ – daraus wurde der Welterfolg Walkman. Japan wie Deutschland sind rohstoffarme Länder; der wichtigste Rohstoff ist die Geisteskraft seiner Bewohner, die es mit den richtigen Lerntechniken auszuschöpfen gilt. „Wie viele Menschen hatten hervorragende Ideen, mit denen sie eine glückliche Existenz im Wohlstand hätten begründen können, aber sie vergaßen ihren Einfall oder maßen ihm keine Bedeutung zu“, klagt Higuchi. Mit IMS sollte das nie wieder passieren.

Marathon- Meetings

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Damit Ihre Ideen nicht nur still im Ideenbuch schlummern, empfiehlt Higuchi regelmäßige Gespräche darüber mit Freunden oder Kollegen zu führen, die ein wichtiger Teil vieler Lerntechniken sind. Das Ideenbuch bietet dabei eine gute Grundlage. Es macht Spaß, die fruchtbare Tätigkeit des eigenen Geistes und der eigenen Beobachtungsgabe zu erleben, wachsen zu sehen und andere dazu anzustiften.

Ideen als Lebenselixier

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Auch nicht umsetzbare Ideen haben einen Wert. Higuchi schreibt dem Vorgang des Ideensuchens an sich bereits eine vitalisierende und glücklich machende Wirkung zu, ist also vielleicht der wichtigste Aspekt dieser Lerntechniken. Er selbst ist ein gutes Beispiel: Er ist ein vitaler, quirliger über-60-Jähriger und hat in bisher 311 Notizbüchern über 220.000 Ideen festgehalten. Bis 2035 (dann wäre er 90) will er 1 Million geschafft haben.

Das IMS gibt es auf Englisch, Chinesisch, Indisch und Japanisch, nicht aber auf Deutsch. Mithilfe eines großzügigen Kalenders (z.B. ein tempus-Zeitplanbuch mit 2 Seiten für jeden Tag) müsste es aber gelingen, Ihr eigenes IMS zusammenzustellen. Higuchis englischsprachige Website ist www.idea-marathon.net.

Die IMS-Regeln als Lerntechniken für mehr Kreativität

  • Produzieren Sie mindestens 1 Idee pro Tag.
  • Schreiben Sie sie auf in der kürzestmöglichen Form.
  • Fügen Sie – wenn irgend möglich – Zeichnungen bei.
  • Achten Sie darauf, dass jede Idee mit Datum und einer Kategorie versehen ist (Auto, Haushalt, Beruf, Freunde, Kochen, Kunst usw.).
  • Tragen Sie Ihr Ideenbuch immer mit sich.
  • Reden Sie mit Ihrer Familie und Ihren Kollegen darüber – das verdoppelt Ihre Ideen.
  • Lassen Sie beim Ideenerzeugen niemals nach.

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