So fördern Sie mit einem Tagesrückblick Ihr positives Denken: Übungen und Tipps 

Eine junge Frau in gemütlicher Kleidung liegt auf einem Teppich und schreibt ihren Tagesrückblick in ein Tagebuch auf.

Die meisten Menschen nehmen sich abends zumindest ein paar Minuten Zeit für eine Vorschau auf den nächsten Tag: Sie werfen einen Blick in den Terminkalender, schreiben eine To-do-Liste und richten die Dinge her, die sie beim Verlassen des Hauses mitnehmen müssen. 

Weitaus weniger Menschen investieren dagegen Zeit in einen gezielten Tagesrückblick auf den vergangenen Tag. Stattdessen beenden viele den Tag mit einem diffusen Eindruck, trotz Hektik und Anstrengung „wieder nichts geschafft“ zu haben. Die kleinen Momente, die es bestimmt auch gab, geraten darüber leicht in Vergessenheit. Hier kommt das Gegenmittel: die sogenannte Tagesbilanz. Mit unseren Übungen lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Positive in Ihrem Alltag und fördern Ihre Achtsamkeit

Machen Sie Ihren Tagesrückblick schriftlich

Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob Sie Ihre Gedanken nur als Ideen in Ihrem Kopf bewegen oder schwarz auf weiß vor sich sehen. Das schriftliche Wort setzt eine Rückkopplung in Gang: Was Sie selbst niedergeschrieben haben, hat Ihren Kopf verlassen und steht nun als Wahrheit vor Ihnen. Sie vertrauen Ihren eigenen Gedanken vielmehr, wenn Sie ihre Tagesbilanz endlich einmal nicht nur denken, sondern auch sehen können. 

Handschriftliches ist in der Regel wirksamer als das, was Sie in einer PC-Tastatur oder auf ein Smartphone-Bildschirmchen getippt haben. Verwenden Sie ein Schreibgerät, das Sie mögen – ihren alten Füller oder einen leicht gleitenden Gel-Kugelschreiben. Nehmen Sie als Schreibpapier keine losen Zettel, die leicht verloren gehen. Wenn Sie ein Zeitplansystem nutzen oder ein Kalenderbuch, brauchen Sie gar nichts Neues dafür. Alternative: Sie besorgen sich ein schön gebundenes Tagebuch, das Sie gern zur Hand nehmen. 

Halten Sie Ihre positiven Erlebnisse am Abend fest

Notieren Sie alles, was Sie an diesem Tag geschafft und an Positivem erlebt haben. Gehen Sie den vergangenen Tag in Gedanken chronologisch durch. Oder erinnern Sie sich, an welchen Orten Sie waren – das menschliche Gehirn hat ein gutes Navi (bei allzu vielen Orten kann „Meine Zeitachse“ von Google Maps helfen). 

Oder beginnen Sie mit dem, das Ihnen als erstes in den Sinn kommt. Oft ist das subjektiv Ihr größter Erfolg des Tages. Es muss keine zeitraubende Tätigkeit mit produktivem Output gewesen sein: Eine Entscheidung, die Sie lange vor sich hergeschoben haben und endlich nach kurzem Nachdenken getroffen haben, kann eine größere Leistung sein als ein seitenlanger Bericht. 

Auf diese Form kommt es bei Ihrer „Tagesbilanz“ nicht an. Wenn Sie kein Schreiber sind und sich mit ganzen Sätzen abquälen würden, beschränken Sie sich auf Stichwörter. Wenn sie gern fotografieren, könnte sogar eine Bildergalerie im Smartphone zu Ihrer Tagesbilanz werden. 

Rechnen Sie in absoluten Zahlen

… und nicht in relativen, gemessen an Ihren Vorsätzen. Wenn Sie sich vorgenommen hatten, am Samstag 160qm zu tapezieren, aber nur 40qm geschafft haben, schreiben Sie in Ihre Tagesbilanz nicht „25 %“ (Ich habe versagt“) sondern „40qm“ („Renovierung geht vorwärts.!“).   

Wenn Sie in einem Buch 10 Seiten gelesen haben, beklagen Sie sich nicht darüber, dass Sie eigentlich 100 schaffen wollten, sondern freuen Sie sich über die Erkenntnisse aus den 10 gelesen Seiten. Die „erfolgreich“-Tagesbilanz macht Schluss mit dem „gefühlten Unglück“ von Menschen, die allen Grund hätten, glücklich und zufrieden zu sein. 

Seien Sie Ihr eigener Maßstab

Kostet es Sie Überwindung, unbekannte Menschen anzurufen, ist dies bereits ein Erfolg, wenn Sie das heute 2-mal geschafft haben. Beurteilen Sie sich aus Sicht desjenigen, der Sie am besten kennt, nämlich Sie selbst. Und nicht aus der Sicht Ihres Chefs, der es lächerlich fände, wenn Sie im 2 Anrufen als Leistung verkaufen wollten. Rücken Sie die Maßstäbe wieder gerade: Selbstorientierung statt Fremdorientierung. 

Fördern Sie Ihr Bewusstsein für kleine Dinge

Schätzen Sie Kleinigkeiten nicht gering. Zufriedenheit und Erfolg speisen sich aus vielen winzigen Zufriedenheits- und Erfolgsmomenten. Mit der „Tagesbilanz“ schulden Sie Ihre Wahrnehmung fürs Detail. Schon nach wenigen Tagen werden Sie staunen, welches Glück in einem pikant gewürzten Salat stecken kann oder in einer aufgeräumten Schublade oder in einem 5-Minuten Gespräch im Treppenhaus. 

Achtsamkeit beim Tagesrückblick

Achtsamkeit spielt eine zentrale Rolle bei der Tagesbilanz. Durch die bewusste Rückschau und das Fokussieren auf positive Momente stärken Sie Ihre Achtsamkeit und trainieren, im Hier und Jetzt zu sein. Dies kann langfristig zu einer besseren emotionalen Balance und einem gesünderen Umgang mit Stress führen. Neben der Tagesbilanz finden Sie hier auch weitere Achtsamkeitsübungen für den Alltag. 

Geben Sie Ihrem Tagesrückblick einen Namen

Sie können Ihre Tagesbilanz „Glückstagebuch“, „Erfolgsbilanz“ oder „Meine Schatztruhe“ nennen oder auch ganz schlecht: „Mein kleines blaues Buch (rotes, grünes) Buch.“ Machen Sie Ihr Bilanzbuch zu Ihrem ureigensten Schatz, mit dem Sie Ihre positiven Denkweisen fördern und sich von Negativen in Ihrem Umfeld nicht beeinflussen lassen.

Verankern Sie den Tagesrückblick in Ihrem Tagesablauf

Das größte Problem der Tagesbilanz: So wird zu oft vergessen. Legen Sie einen Ort und einen Zeitpunkt fest, wo und wann Sie Ihre täglichen Eintragungen machen: zum Abschluss des Arbeitstages, wenn Sie Ihre Tasche für den Heimweg gepackt haben, in Ihrem Auto vor dem Anlassen des Motors als „Fahrtenbuch“ Ihres Tages, auf dem Nachttisch vor dem Lichtausmachen – glücklicher können am Abend Sie kaum einschlafen. 

Fazit 

Die Tagesrückschau mit der „Tagesbilanz“ bietet eine wertvolle Methode, den Tag bewusst abzuschließen und kleine Erfolge sowie positive Momente zu würdigen. Während viele Menschen abends eine Vorschau auf den nächsten Tag machen, wird die Rückschau oft vernachlässigt. Ein schriftlicher Tagesrückblick hilft dabei, ein klareres Bild des Tages zu gewinnen und das Gefühl, „nichts geschafft zu haben“, zu überwinden. 

Durch das schriftliche Festhalten der Erlebnisse und Erfolge, vorzugsweise handschriftlich und am Abend, entsteht eine stärkere mentale Verknüpfung, die die Selbstwahrnehmung und das Vertrauen in die eigenen Leistungen fördert. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Notizen detailliert oder in Stichworten verfasst sind – Hauptsache, sie sind greifbar und können jederzeit nachgelesen werden. 

Wichtig ist, in absoluten Zahlen zu denken und sich selbst als Maßstab zu nehmen. Kleine Erfolge und alltägliche Zufriedenheitsmomente, die oft übersehen werden, gewinnen dadurch an Bedeutung. 

Weiterführende Infos für einen gesünderen und achtsameren Alltag

Selbstmanagement: Mit welchen Methoden Sie sich besser kennenlernen. 

Gehmeditation: Eine Anleitung, wie man durch achtsames Gehen zur inneren Ruhe findet. 

Nein sagen: Strategien, um gesunde Grenzen zu setzen und Stress durch Überlastung zu vermeiden. 

Not-to-do-Listen: Wie das bewusste Vermeiden bestimmter Aktivitäten zu mehr Achtsamkeit und Effizienz im Alltag führt. 

Merkstrategien: Methoden, um sich durch gezielte Achtsamkeit und bewusste Techniken Informationen besser einzuprägen. 

FAQs: Häufig gestellte Fragen zur Tagesrückschau mit der Tagesbilanz 

Die Tagesbilanz ist wichtig, weil sie dazu beiträgt, positive Erfahrungen und Erfolge im Alltag bewusster wahrzunehmen. Anstatt den Tag mit einem diffusen Gefühl von Unzufriedenheit zu beenden, können Sie sich auf die kleinen und großen Erfolge konzentrieren, was Ihre Zufriedenheit und Ihr Wohlbefinden steigert.
Eine handschriftliche Tagesbilanz hat den Vorteil, dass das geschriebene Wort eine stärkere Rückkopplung erzeugt. Es wird als wahrer empfunden und kann somit die Selbstreflexion und das Vertrauen in die eigenen Gedanken und Erfolge verstärken. Zudem bleiben handschriftliche Notizen meist besser im Gedächtnis.
Ja, Sie können Ihre Tagesbilanz auch digital führen. Allerdings wird handschriftliches Niederschreiben in der Regel als wirksamer empfunden, da es eine stärkere mentale Verknüpfung erzeugt. Nutzen Sie daher ein Medium, das Ihnen am besten liegt und mit dem Sie sich wohlfühlen.
In einer Tagesbilanz sollten alle positiven Erlebnisse und Erfolge des Tages festgehalten werden. Dazu gehören kleine und große Erfolge, angenehme Momente, Entscheidungen, die Sie getroffen haben, und alle Aktivitäten, die Ihnen Freude bereitet haben.
Integrieren Sie die Tagesbilanz, indem Sie einen festen Ort und Zeitpunkt dafür festlegen. Dies kann beispielsweise am Ende des Arbeitstages, vor dem Schlafengehen am Abend oder zu einem anderen regelmäßigen Zeitpunkt sein. Machen Sie die Tagesbilanz zu einem festen Ritual, um sie nicht zu vergessen.
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