Tiki Küstenmacher

Herausgeber, Autor und Karikaturist, vor allem aber:

Der Initiator der deutschen simplify-Bewegung

Die Idee zu simplify your life reifte in den 1990er Jahren heran. Damals war ich für ein paar Jahre Hausmann, hatte meinen Beruf als Pfarrer in der Medienarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirche Bayern an den Nagel gehängt, und meine Frau arbeitete Vollzeit als Verlagslektorin. Ich habe mich um unsere (damals zwei) Kinder und den Haushalt gekümmert – und mir bald gesagt: Das muss doch einfacher gehen. Also holte ich mir Rat bei Profis, habe Bücher gelesen über Aufräumen, Putzen, Zeitmanagement und all so etwas.

Wie simplify in Deutschland begann

Auf einer USA-Reise bin ich 1997 in einer Buchhandlung in New York über ein schmales Büchlein mit dem Titel „Simplify Your Life“ gestolpert. Es kam mir sehr amerikanisch vor, und ich habe es erst einmal zurück ins Regal gestellt. Aber der Titel ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich spürte: Das könnte ein Trend sein. Bei der alljährlichen Tagung „Tag der Gelassenheit“ in Ulm habe ich vor 700 Zuhörern einen Vortrag darüber gehalten, und die Resonanz war erstaunlich positiv. Einer der Zuhörer war Norman Rentrop, der Gründer des Verlags für die Deutsche Wirtschaft. Ein paar Monate später engagierte eben dieser Verlag mich und meine Frau Marion Küstenmacher als Chefredakteure des monatlichen gedruckten Beratungsbriefs „simplify your life“.

© Tiki Küstenmacher 2021

Ein Welterfolg: Das simplify-Buch

Nach drei Jahren hatten wir genügend Stoff zusammen für das gleichnamige Buch. Der zweite Verlag, dem wir es anboten, griff zu – und es wurde bei Campus innerhalb weniger Monate ein Welterfolg. Ein Grund dafür war wohl das Erscheinungsdatum: ein paar Tage nach den 9/11-Terroranschlägen in den USA. Die Menschen waren weltweit verunsichert, und viele haben sich gefragt: „Mit was für Kleinkram vertue ich meine Zeit?“

Besonders erstaunlich fand ich, dass das Buch auch in Japan ein Bestseller wurde. Wir Deutschen glauben, bei den Japanern sei alles super-aufgeräumt. Unserer Vorstellung nach sitzen sie daheim auf ihren Bambusmatten, und alles ist clean. Die Japaner haben dieses Selbstbild überhaupt nicht. Sie wohnen in sehr kleinen Wohnungen, die vollgestopft sind mit viel Elektronik und einer Menge von Dingen. Und sie bewundern uns Deutsche dafür, dass wir so gut organisieren und vereinfachen können – auch wenn wir das selbst längst nicht immer so empfinden.

Inzwischen habe ich noch viele weitere Bücher geschrieben, z. B. gemeinsam mit meiner Frau „simplify your love“ für Paare und „Limbi: Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn“.

Warum ich kein Minimalist bin

Ich selbst stamme aus einem Haushalt, in dem sehr viel gesammelt und aufgehoben wurde. Ich bin das jüngste von drei Geschwistern, meine Schwester und mein Bruder sind während des Weltkriegs geboren. Meine Eltern haben den Krieg sehr intensiv miterlebt. Kein Wunder, dass sie sich schwer taten mit dem Wegschmeißen: Man könnte das ja noch mal brauchen, vielleicht kommen wieder einmal schlechte Zeiten.

So kommt es, dass ich absolut kein Feind von Dingen bin. Ich finde es schlimm, wenn Leute sagen: „Sachen sind schrecklich, ich muss alles loswerden“. Für kranke und behinderte Menschen sind bestimmte Gegenstände und technische Errungenschaften lebenswichtig. Ich selbst besitze viele Sachen, ohne die ich nicht leben möchte, angefangen bei meiner Gitarre bis hin zu den Stiften, mit denen ich die Zeichnungen für simplify your life entwerfe.

Einfacher und glücklicher leben dank simplify

Aber wenn einem die Vielzahl von Sachen über den Kopf wächst, wenn die Sachen etwas mit mir machen und nicht mehr ich etwas mit den Sachen, dann ist der Punkt gekommen, wo man sagen sollte: „Stopp! Jetzt muss etwas geschehen! Ich will mich befreien!“

Im Umgang mit mir selbst, mit meiner Ehefrau, unseren drei Kindern und vielen anderen Menschen habe ich gemerkt: Vereinfachen kann jede und jeder, man muss nur die richtigen Techniken dazu kennen. Die sammle ich nun seit über zwei Jahrzehnten, probiere sie selbst aus und gebe sie – wenn sie bei mir helfen – weiter. Dabei habe ich gemerkt, dass alles mit allem zusammenhängt. Der gute Umgang mit den eigenen Sachen wirkt sich positiv auf die Finanzen und das körperliche Wohlbefinden aus, mit einem klugen Zeitmanagement verbessern sich auch die Beziehungen zu den Mitmenschen etc. All das zusammen bereitet den Weg hin zu einem einfacheren und glücklicheren Leben.

© Tiki Küsternmacher 2021

Eine großartige Entdeckungsreise

Deswegen gibt es im Beratungsbrief simplify your life nicht nur praktische und handfeste Tipps für den Alltag, sondern auch Gedanken über das Leben, den Tod, den Glauben, die Politik – ohne dass wir uns weltanschaulich festlegen. Wir, das sind seit 2008 ich als Herausgeber, Autor und Karikaturist und Dr. Ruth Drost-Hüttl als meine Nachfolgerin in der Chefredaktion. Dass wir eine so große und treue Leserschaft haben, ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass simplify your life in die Tiefe geht.

In den über 20 Jahren mit simplify your life ist mir das Thema jedenfalls niemals langweilig geworden. Es ist eine großartige Entdeckungsreise geblieben, und ich freue mich, dass wir jeden Tag neue Menschen gewinnen, die daran teilnehmen wollen.

Ihr

Tiki Küstenmacher