Doch kein Popcorn!?

Doch kein Popcorn!?

Hatte ich neulich noch empfohlen, Popcorn im Kino als Aufmerksamkeitsschulung zu nutzen, so muss ich heute alles zur√ľcknehmen! Esst Popcorn, wenn ihr gegen Werbung immun sein wollt! Oder (diese Empfehlung betrifft wohl eher Kinobetreiber) verkauft keine Snacks mehr bzw. verbietet deren Verzehr ausdr√ľcklich w√§hrend der Werbevorfilme! Der Grund: Popcorn und andere Snacks neutralisieren die Kino-Werbung! Warum das so ist, haben K√∂lner Psychologen herausgefunden und in der Fachzeitschrift Journal of Consumer Psychology ver√∂ffentlicht:Es ist bekannt, dass die Wiedererkennung von Produkten von m√∂glichst leicht wiederholbaren Namen abh√§ngt. Prof. Dr. Sascha Topolinski von der Uni K√∂ln und der W√ľrzburger Sozialpsychologe Prof. Dr. Fritz Strack haben in fr√ľheren Arbeiten bereits einen dahinter steckenden psychologischen Mechanismus aufgedeckt. ?Wenn wir Namen von Personen oder Produkten wahrnehmen, bilden die Muskeln in Lippe und Zunge automatisch die Aussprache dieser Namen nach, ohne dass wir tats√§chlich den Mund bewegen. Das Gehirn trainiert also unbewusst das Sprechen dieser Namen. Begegnen wir dann diesen Namen erneut, gelingt diese unbewusste Sprechsimulation leichter.Wird diese Aussprechsimulation aber gest√∂rt, beispielweise durch Kaugummikauen, kann die Artikulation nicht trainiert werden. Die (mentalen) Wiederholungen sind gleichbleibend schwierig. ??Im Kinosaal findet genau so eine St√∂rung des Mitsprechens statt. Und zwar dann, wenn wir Werbung ansehen und dabei Popcorn oder andere Snacks konsumieren. Unser Mund ist dann mit anderen Dingen besch√§ftigt, als die pr√§sentierten Marken mitzufl√ľstern.Tja, da m√ľssen sich Marketingstrategen etwas Neues einfallen lassen ‚Äď oder die Kinowerbung wird einfach g√ľnstiger, weil sie weniger wirksam ist.Ich mache mir indes Gedanken dar√ľber, ob man Kindern oder Studierenden zum Lernen das Kaugummikauen uneingeschr√§nkt empfehlen sollte. Es gilt ja als Geheimtipp, um l√§nger konzentriert dem Unterricht folgen oder lernen zu k√∂nnen. Das Kauen erh√∂ht die Aufmerksamkeit und h√§lt sie √ľber einen l√§ngeren Zeitraum. Kombiniert mit dem, was die K√∂lner Psychologen herausgefunden haben, m√ľsste das Kauen demnach vor allem beim Vokabeln oder generell Sprachenlernen hinderlich sein. Also: Wenn‚Äôs darum geht, neue Begriffe zu behalten, halten wir die Kaumuskeln am besten ruhig. Denn die Wissenschaftler haben in ihren Studien mit neuen, unbekannten Produkten gearbeitet. Ihr Ergebnis bezieht sich also in erster Linie auf neue Namen, die sich einpr√§gen sollen.

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